PFAS in fünf Proteinpulvern: Was die kleine Studie aussagt – und was nicht
Eine Untersuchung pflanzlicher Proteinpräparate meldet mehrere Schadstoffgruppen. Warum fünf untersuchte Produkte ernst zu nehmen sind, aber kein Urteil über alle Proteinpulver erlauben.
„In allen getesteten Produkten gefunden“ klingt weitreichend. Bei einer aktuell aufgegriffenen Untersuchung pflanzlicher Proteinpräparate ist die Größe der Stichprobe deshalb besonders wichtig: Es ging um fünf Produkte. Das Fachmagazin Food Safety Magazine berichtete am 4. September 2026 darüber; die Arbeit ist im August-Band des NFS Journal erschienen. Sie liefert einen Anlass für genauere Kontrollen, aber keinen repräsentativen Überblick über den deutschen Markt.
Was untersucht wurde
Die Originalarbeit von Sawicki und Mitautorinnen und Mitautoren betrachtet Proteinpräparate auf Basis von Soja, Reis, Erbse, Hanf und Kürbiskernen. Analysiert wurden mehrere Stoffgruppen: PFAS, bestimmte Schimmelpilzgifte, Pestizide, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sowie der bei Verarbeitung entstehende Stoff 5-HMF. PFAS wurden in sämtlichen untersuchten Proben nachgewiesen und trugen wesentlich zur modellierten Risikobewertung bei.
Diese Stoffgruppen sind nicht miteinander austauschbar. Ein Befund zu einer Verbindung erklärt nicht automatisch die Ursache aller anderen Funde. Auch die untersuchten Proteinpräparate sind nicht dasselbe wie unverarbeitete Bohnen oder eine Portion Linseneintopf. Eine solche Übertragung wäre durch die Studie nicht gedeckt.
Fünf Produkte sind keine Marktstatistik
Wie der ausführliche Fachbericht erläutert, stammten die Produkte aus dem Einzelhandel in Olsztyn in Polen. Die Expositionsabschätzung arbeitete mit der Annahme, dass ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener täglich 30 Gramm Proteinpräparat konsumiert. Das ist eine Rechengrundlage, keine beobachtete Krankheitsrate unter Käuferinnen und Käufern.
Die kleine, örtlich begrenzte Stichprobe und die Annahmen zur Aufnahme begrenzen die Aussagekraft. Laut Fachbericht wurde auch die Verfügbarkeit der Stoffe im Verdauungstrakt nicht berücksichtigt. Die Autoren fordern weitere Untersuchungen mit mehr Produkten. Aus diesem Datensatz lassen sich weder alle Hersteller bewerten noch einzelne Rohstoffarten allgemein als die sicherste Wahl empfehlen.
Ein Nachweis und eine persönliche Diagnose sind verschieden
Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt PFAS als langlebige Stoffe, die über die Umwelt in pflanzliche und tierische Lebensmittel gelangen können. Für vier bestimmte PFAS existiert ein gesundheitsbasierter Gruppenrichtwert für die längerfristige Aufnahme. Dieser bezieht sich nicht auf jede beliebige Summe aller PFAS. Welche Stoffe gemessen wurden und welche Aufnahme zugrunde gelegt wird, ist für die Einordnung deshalb wesentlich.
Unsere Schlussfolgerung: Die Befunde sollte man nicht kleinreden. Ebenso wenig lassen sie eine persönliche Erkrankung vorhersagen. Wer ein Proteinpräparat aus medizinischen Gründen verwendet, sollte Änderungen mit der behandelnden Fachperson besprechen. Eine allgemeine Meldung ersetzt weder eine individuelle Beratung noch eine konkrete behördliche Warnung zu einer bestimmten Charge.
Welche Fragen beim Produktvergleich helfen
- Wie konkret ist ein Prüfversprechen? Frage nach untersuchten Stoffen, Datum, Produkt beziehungsweise Charge und nachvollziehbaren Ergebnissen.
- Was deckt der Nachweis ab? Eine Untersuchung auf eine einzelne Schadstoffgruppe belegt nicht automatisch die Abwesenheit aller anderen.
- Was wird überhaupt verglichen? Verwechsle eine Zutatenliste oder einen hohen Proteingehalt nicht mit einem Schadstoff-Prüfbericht.
Wer pflanzliche Gerichte unabhängig von Proteinpulvern kennenlernen möchte, findet in unseren Hülsenfruchtrezepten und vegetarischen Abendessen Anregungen. Diese Rezepte sind keine als schadstofffrei getesteten Alternativen. Der wichtigste Ertrag der Untersuchung bleibt eine Qualitätsfrage: Wie lassen sich Rohstoffe und fertige Präparate systematischer und mit größeren Stichproben kontrollieren?
Quellen und Stand
- Sawicki et al.: Chemical contaminants in plant-based food supplements: Assessment of PFAS, mycotoxins, pesticides, PAHs and 5-HMF, NFS Journal 43 (August 2026), 100277, DOI 10.1016/j.nfs.2026.100277; Abstract und bibliografische Angaben geprüft.
- Food Safety Magazine: Polish Study Finds PFAS in All Tested Commercially Available Plant-Based Protein Supplements, 4. September 2026; Detailangaben zur Stichprobe und zu Grenzen der Abschätzung.
- BfR: PFAS in Lebensmitteln und der Umwelt, Hintergrund zur Risikobewertung.
Informationsstand: 6. September 2026. Kein eigener Produkttest; allgemeine Information, keine medizinische Diagnose.