Lebensmittelverpackungen und chemische Migration

Druckfarben in Verpackungen: Neue Studie verbessert Migrationsmodelle

Eine neue Laborstudie untersucht fünf Photoinitiatoren aus UV-härtenden Druckfarben und ihre Migration in Milchpulver. Entscheidend sind Flüchtigkeit, Temperatur und Feuchte – nicht ein einzelner Pauschalwert.

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Symbolbild: neutraler Kunststoffbeutel, Schale mit Milchpulver und verschlossene Probengefäße auf einem sauberen Prüftisch
Symbolbild: neutraler Kunststoffbeutel, Schale mit Milchpulver und verschlossene Probengefäße auf einem sauberen Prüftisch

Eine am 8. Oktober 2026 in Analytica Chimica Acta veröffentlichte Studie untersucht im Labor, wie fünf Photoinitiatoren aus Kunststoffmaterial in Milchpulver migrieren. Diese Stoffe helfen, UV-härtende Druckfarben auszuhärten. Das Ergebnis ist kein Rückruf und keine Untersuchung eines Markenprodukts, sondern ein Beitrag dazu, Migration je nach Flüchtigkeit realistischer zu berechnen.

Warum Druckfarbenbestandteile wandern können

Lebensmittelverpackungen werden häufig außen bedruckt. Bestandteile können dennoch durch ein Material diffundieren, über die Gasphase übertragen werden oder beim Aufrollen und Stapeln von der bedruckten Außenseite auf die spätere Lebensmittelkontaktseite gelangen. Fachleute nennen diesen letzten Weg Abklatsch oder set-off. Welche Menge übergeht, hängt von Stoff, Material, Lebensmittel, Lagerdauer und Temperatur ab.

Photoinitiatoren starten unter UV-Licht die Aushärtung bestimmter Druckfarben. Nach dem Druck können Rückstände verbleiben. Die neue Arbeit greift eine bekannte Schwierigkeit auf: Flüchtige Stoffe können sich anders verhalten als weniger flüchtige. Ein Modell, das diesen Unterschied nicht berücksichtigt, kann Laborergebnisse verschiedener Bedingungen schlechter zusammenführen.

Fünf Stoffe, zwei Modellansätze

Untersucht wurden die stärker flüchtigen Stoffe 4-MBP, PI-184 und EDB sowie die weniger flüchtigen Stoffe EHA und PI-907. Die Forschenden variierten Migrationszeit, Temperatur, Ausgangskonzentration, Luftfeuchte sowie Dicke und Art des durchwanderten Mediums. Damit prüften sie nicht nur einen Endpunkt, sondern mehrere Einflussgrößen eines vereinfachten Systems.

Für die weniger flüchtigen Photoinitiatoren beschrieb ein Modell nach Ficks zweitem Gesetz den Übergang und lieferte Diffusions- und Verteilungskoeffizienten. Für die stärker flüchtigen Stoffe passte ein Weibull-Modell besser. Laut Studie wirkten Temperatur und Feuchte bei den beiden Gruppen teilweise gegensätzlich. Flüchtigkeit sollte deshalb in der Sicherheitsbewertung und bei der Auswahl von Druckfarbensystemen ausdrücklich berücksichtigt werden.

Was die Studie nicht sagt

Die Versuche belegen keine konkrete Belastung von Milchpulver im deutschen Handel und bestimmen kein persönliches Gesundheitsrisiko. Sie untersuchen einen Laboraufbau mit ausgewählten Stoffen und Kunststoff als Migrationsmedium. Für reale Verpackungen kommen Schichtaufbau, Barrieren, Druckverfahren, Herstellungsqualität, Lagerung und die tatsächliche Lebensmittelmatrix hinzu.

In der Europäischen Union gilt grundsätzlich, dass Lebensmittelkontaktmaterialien keine Bestandteile in gesundheitlich bedenklichen Mengen abgeben und Lebensmittel nicht unvertretbar verändern dürfen. Für Kunststoffe gibt es Migrationsgrenzen und standardisierte Prüfbedingungen. Das BfR weist außerdem auf die deutsche Druckfarbenregelung mit Positivliste und möglichen spezifischen Beschränkungen hin. Die neue Modellarbeit ergänzt solche Prüfungen, ersetzt sie aber nicht.

Was Haushalte praktisch beachten können

  • Verwenden Sie Beutel, Dosen und Folien nur für Lebensmittel und für den vorgesehenen Temperaturbereich; eine Verpackung ist nicht automatisch zum Erhitzen geeignet.
  • Füllen Sie Lebensmittel nicht in bedruckte Versand-, Bastel- oder Aufbewahrungsmaterialien um, die nicht für Lebensmittelkontakt bestimmt sind.
  • Beachten Sie Herstellerhinweise zu Lagerung und Haltbarkeit und ersetzen Sie stark beschädigte Verpackungen, wenn die Schutzfunktion nicht mehr sicher ist.
  • Leiten Sie aus kräftigen Farben oder einer glänzenden Oberfläche allein kein Risiko ab; entscheidend sind Materialaufbau, Stoffe, Barrieren und geprüfte Verwendung.

Die Verantwortung für die Konformität liegt bei Herstellern und Kontrolle, nicht bei einer privaten Sichtprüfung. Verbraucher können die vorgesehene Nutzung einhalten, aber die chemische Migration einer intakten Verpackung nicht zuverlässig selbst beurteilen.

Fazit: genauer prüfen statt pauschal warnen

Die Studie zeigt, warum Flüchtigkeit in Migrationsmodellen mehr Aufmerksamkeit verdient und warum ein einheitliches Rechenmuster nicht für alle Photoinitiatoren genügt. Sie liefert Methodenwissen für Verpackungsprüfung, keinen Anlass, ein konkretes Produkt zu meiden. Wer Verpackung reduzieren möchte, kann öfter mit unverarbeiteten Zutaten planen, etwa für ein Frühstück oder Gerichte mit Gemüse.

Quellen

Autor: Kochzauber Redaktion. Aktualisierung: 9. Oktober 2026. Die Laborstudie bewertet ausgewählte Stoffe in einem Modellsystem und keine konkreten Handelsprodukte.

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