PFAS in Lebensmittelverpackungen: Was ein neuer Labortest sichtbar macht
Ein neuer Direktverdampfungs-Test fand Hinweise auf flüchtige PFAS und fluorierte Polymere in ausgewählten Kontaktmaterialien. Was das Screening kann – und warum es kein PFAS-frei-Siegel ersetzt.
Kurz gesagt: Eine am 27. September 2026 erschienene Studie beschreibt ein Direkt-Thermodesorptionsverfahren mit Gaschromatografie und Massenspektrometrie, kurz DTD–GC–MS. Das Team untersuchte 13 Lebensmittelkontaktmaterialien und suchte nach flüchtigen PFAS sowie Hinweisen auf seitenkettenfluorierte Polymere. Das Verfahren ist ein schnelles Labor-Screening. Es misst weder alle PFAS noch beweist ein einzelner Test, dass eine Verpackung insgesamt PFAS-frei oder für jede Verwendung sicher ist.
Was im Versuch untersucht wurde
Die Forschenden optimierten die Methode für 5 n:2-Fluortelomeralkohole und erweiterten das Zielspektrum anschließend um weitere flüchtige Verbindungen. Kleine Materialmengen wurden direkt in einem Röhrchen erhitzt; die freigesetzten Stoffe gelangten ohne vorherige Flüssigextraktion in das GC–MS. Für das Hauptscreening wurden 200 °C und 20 min Desorption eingesetzt. Die mittlere Wiederfindung lag bei 114 %, die Nachweisgrenzen für die Fluortelomeralkohole bei 20–53 pg.
Welche Proben auffällig waren
Bei 200 °C setzten 3 Popcorntüten und 1 als umweltfreundlich beworbener Pappteller 6:2-Fluortelomeralkohol und 6:2-Fluortelomerolefin oberhalb des quantifizierbaren Bereichs frei. Die Forschenden führen das auf den thermischen Abbau eines seitenkettenfluorierten Polymers zurück. Bei wiederholter Desorption wurden die Verbindungen weiter, aber in abnehmender Menge freigesetzt. Ein zusätzlicher Versuch mit 115 °C und 2 min sollte die Mikrowellenerwärmung einer Popcorntüte annähern.
Warum das kein Alltagsexperiment ist
Der Test arbeitet mit Spezialgeräten, kontrollierten Temperaturen und sehr kleinen Proben. Verpackungen sollten zu Hause weder leer erhitzt noch verbrannt werden. Die Ergebnisse betreffen außerdem die ausgewählten Materialien, die zwischen 2020 und 2026 gekauft worden waren; sie erlauben keine Aussage über jede Popcorntüte, jeden Pappteller oder alle heutigen Produkte. Das Bild zum Artikel ist deshalb nur ein Symbolbild und zeigt keine Originalprobe.
Was das Screening leistet – und was nicht
- Stärke: DTD–GC–MS verkürzt die Probenvorbereitung und kann flüchtige PFAS sowie Abbauprodukte bestimmter fluorierter Polymerseitenketten anzeigen.
- Grenze: Die Methode erfasst ein definiertes Spektrum flüchtiger Stoffe, nicht die gesamte PFAS-Stoffgruppe.
- Keine Migrationsbilanz: Freisetzung beim Erhitzen ist nicht dasselbe wie die tatsächlich auf ein bestimmtes Lebensmittel übergehende Menge.
- Kein PFAS-frei-Nachweis: Für diese Aussage wären eine passend definierte Prüfstrategie, weitere Analysen und eine belastbare Produktdokumentation nötig.
Wie die neue EU-Regel dazu passt
Seit 12. August 2026 dürfen Lebensmittelkontaktverpackungen in der EU nicht neu in Verkehr gebracht werden, wenn sie die PFAS-Grenzwerte der Verpackungsverordnung erreichen oder überschreiten. Genannt werden 25 ppb je gezielt gemessenem PFAS, 250 ppb für die Summe gezielt gemessener PFAS und 50 ppm für PFAS einschließlich polymerer PFAS. Die Kommissionsleitlinie empfiehlt eine stufenweise Analytik. Ein einzelnes DTD–GC–MS-Screening bildet diese gesamte Konformitätsprüfung nicht ab.
Was Verbraucherinnen und Verbraucher praktisch tun können
Aus Aussehen, Farbe oder dem Wort „Papier“ lässt sich die chemische Zusammensetzung nicht zuverlässig erkennen. Sinnvoller sind konkrete Herstellerangaben zur vorgesehenen Nutzung, Temperatur und Entsorgung. Verpackungen nur wie angegeben erhitzen und beschädigte Einwegmaterialien nicht zweckentfremden. Wo es passt, reduzieren Mehrwegbehälter unnötige Einwegkontakte; entscheidend bleiben Eignung, Reinigung und korrekte Verwendung.
Küchenalltag ohne Alarmismus
Die Studie ist vor allem für Labore, Überwachung und Verpackungsentwicklung relevant. Sie ist kein Anlass, verpackte Lebensmittel pauschal zu meiden. Wer Mahlzeiten selbst vorbereitet, findet bei Kochzauber Ideen über Rezepte nach Zutaten und das Frühstück. Für gekaufte Produkte gilt: Verpackungshinweise lesen, nicht über die vorgesehene Temperatur hinaus erhitzen und bei konkreten PFAS-frei-Aussagen auf nachvollziehbare Nachweise achten.
Fazit: ein neuer Suchscheinwerfer, kein Freibrief
Die Arbeit zeigt, dass direkte Thermodesorption flüchtige PFAS und Signale fluorierter Seitenkettenpolymere in Lebensmittelkontaktmaterialien sichtbar machen kann. Gerade unter den neuen EU-Grenzwerten ist ein schneller Suchtest interessant. Ob eine Verpackung rechtskonform, migrationsarm oder vollständig PFAS-frei ist, muss jedoch mit der dafür vorgesehenen Prüfstrategie beantwortet werden.
Quellen und Aktualisierung
- PubMed: Direct thermal desorption–gas chromatography–mass spectrometry for screening volatile PFAS and side-chain fluoropolymers in food contact materials, bibliografischer Eintrag und Abstract, Publikationsdatum 27. September 2026.
- Journal of Chromatography A: Originalartikel mit Methodenbeschreibung und Ergebnissen.
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle, Artikel 5 Absatz 5.
- Europäische Kommission: Leitlinie zur Verordnung (EU) 2025/40, stufenweiser Prüfansatz für PFAS.
Autor: Kochzauber Redaktion. Informations- und Aktualisierungsstand: 28. September 2026. Der Beitrag ordnet ein Labor-Screening ein und ersetzt weder Produktprüfung noch Rechtsberatung. Das Titelbild ist ein redaktionelles Symbolbild.