Kunststoff-Teebeutel im Test: Partikel und BPA richtig einordnen
Eine neue Studie vergleicht 14 Beuteltees mit 14 losen Tees. Kunststoffbeutel setzten mehr Partikel frei, doch daraus folgt noch keine belastbare Gesundheitsprognose.
Eine am 13. Oktober 2026 in npj Science of Food veröffentlichte Studie hat Aufgüsse aus 14 abgepackten und 14 losen Teemarken untersucht. Bei einer standardisierten Zubereitung mit 95 °C heißem Wasser für 3 min fanden die Forschenden in Aufgüssen aus Kunststoffbeuteln deutlich mehr Mikroplastikpartikel sowie messbare Migration von Bisphenol A und Phthalatestern. Die Untersuchung liefert einen Laborvergleich, aber keine abschließende Bewertung des Gesundheitsrisikos aller Teebeutel auf dem Markt.
Was genau im Labor verglichen wurde
Für jede Produktgruppe wurden 14 Marken einbezogen. Die Aufgüsse wurden unter denselben Bedingungen hergestellt. Partikel charakterisierte das Team mit ATR-FTIR; Bisphenol A und Phthalatester wurden mit GC-MS/MS bestimmt. Damit konnten Polymerart und ausgewählte chemische Stoffe getrennt betrachtet werden.
Die Studie bezeichnet die getesteten Beutel als polymerbasiert. Ergebnisse für solche Beutel dürfen nicht pauschal auf Papier-, Cellulose- oder kompostierbar beworbene Materialien übertragen werden. Auch innerhalb einer Materialgruppe können Herstellung, Oberfläche und Qualität variieren.
Die gemessenen Partikelzahlen
Aufgüsse aus Kunststoffbeuteln enthielten 555 bis 2498 Partikel pro Tasse. Bei losem Tee lagen die Werte bei 0,3 bis 2,4 Partikeln pro Tasse. Teilchen über 100 µm aus den Beuteln bestanden ausschließlich aus Polyamidfasern; beim losen Tee fanden sich unterschiedliche Polymere und vor allem Fragmente.
Das zeigt einen deutlichen Unterschied unter den Versuchsbedingungen. Es zeigt aber nicht automatisch, dass jedes Teilchen erst während des Brühens neu entstanden ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung betonte bei einer früheren Teebeutelstudie, dass Partikel schon vor dem Aufguss auf Oberflächen liegen und beim Brühen abgewaschen werden können. Messmethode und Probenvorbereitung beeinflussen die Zahlen stark.
BPA-Wert und Risikomodell nicht verwechseln
In der neuen Arbeit erreichte die berechnete BPA-Aufnahme aus Beuteltee bis zu 21,7 % der von EFSA festgelegten tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge. Der kumulative Gefahrenindex für die untersuchten Chemikalien blieb unter 1. Diese beiden Angaben sind Modellwerte innerhalb der Studie und dürfen weder als Entwarnung noch als Nachweis einer Erkrankungsgefahr gelesen werden.
Die EFSA setzte die tolerierbare tägliche Aufnahme für BPA auf 0,2 ng je kg Körpergewicht und Tag. Ein prozentualer Anteil davon hängt daher von Annahmen zu Körpergewicht, Menge und Häufigkeit ab. Außerdem erfasst der Index nur die untersuchten Stoffe und Unsicherheiten des Modells.
Was Behörden bisher sagen
Das BfR hält gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Mikroplastik in Lebensmitteln nach aktuellem Wissen für unwahrscheinlich, weist aber zugleich auf eine unzureichende Datenlage für eine zusammenfassende Bewertung hin. Gerade deshalb ist es sinnvoll, Partikelmessung und Gesundheitswirkung sauber zu trennen.
Für Lebensmittelkontaktmaterialien gilt in der EU grundsätzlich, dass sie keine Stoffe in Mengen übertragen dürfen, die die Gesundheit gefährden, die Zusammensetzung unvertretbar verändern oder Geschmack und Geruch beeinträchtigen. Die neue Studie ersetzt keine behördliche Konformitätsprüfung eines konkreten Produkts.
Vier praktische Entscheidungen ohne Alarmismus
- Material prüfen: Bei unklarer Beutelart helfen Verpackungsangaben oder eine Anfrage beim Hersteller.
- Lose Alternative nutzen: Loser Tee im Edelstahl- oder geeigneten Mehrwegsieb vermeidet den Einwegbeutel, aber nicht jede Hintergrundquelle für Partikel.
- Zubereitung befolgen: Temperatur und Ziehzeit nach Herstellerangabe wählen; die Studie testete 95 °C und 3 min.
- Keine Sichtdiagnose: Material, BPA-Migration oder Partikelzahl lassen sich nicht zuverlässig am Aussehen des Beutels erkennen.
Wer ohnehin losen Tee mag, kann mit einem wiederverwendbaren Sieb unkompliziert wechseln. Ideen für warme Getränke und passende Speisen finden sich beim Frühstück und unter Rezepte nach Zutaten. Ein Wechsel ist eine Vorsorge- und Abfallentscheidung, keine medizinische Behandlung.
Fazit: relevanter Materialvergleich, offene Risikofrage
Die Studie vom 13. Oktober 2026 zeigt unter standardisierten Bedingungen deutlich höhere Partikelzahlen in Aufgüssen aus Kunststoff-Teebeuteln als aus losem Tee und weist ausgewählte Stoffmigration nach. Wie diese Exposition gesundheitlich zu bewerten ist, bleibt angesichts methodischer und toxikologischer Unsicherheiten offen. Transparente Materialangaben und robuste Prüfstandards sind deshalb wichtiger als pauschale Panik.
Quellen
- npj Science of Food: Originalstudie zu Kunststoff-Teebeuteln, veröffentlicht am 13. Oktober 2026
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Bewertung einer früheren Teebeutel-Mikroplastikstudie
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: Neubewertung der BPA-Aufnahme
- Europäische Kommission: Sicherheitsanforderungen an Lebensmittelverpackungen
Autor: Kochzauber Redaktion. Aktualisierung: 15. Oktober 2026. Partikel- und Migrationsmessungen belegen nicht für sich allein eine gesundheitliche Wirkung.