Essen nicht in Zeitung wickeln: neue Studie zu Spurenelementen im Papier
Eine neue Untersuchung aus Dhaka fand in gewöhnlichem Druckpapier mehrere Spurenelemente. Entscheidend ist die Grenze der Studie: Gemessen wurde das Papier, nicht der tatsächliche Übergang ins Essen.
Eine am 24. Oktober 2026 veröffentlichte Studie analysierte 38 Papierproben aus Dhaka auf 7 Spurenelemente. Untersucht wurden hell und kräftig bedruckte Zeitungsbereiche, Fotos, Magazin- und Buchseiten. Arsen, Blei, Cadmium und Chrom lagen im Material häufig über den von den Autoren herangezogenen Vergleichswerten. Die Forschenden maßen jedoch Gesamtgehalte im Papier, nicht die tatsächliche Migration in ein bestimmtes Lebensmittel.
Was genau untersucht wurde
Die Proben wurden im März 2025 bei lokalen Anbietern gesammelt und mit ICP-MS analysiert. Kupfer und Mangan erreichten in einzelnen Kategorien bis zu 61,9 ppm beziehungsweise 31,7 ppm. Kräftig bedruckte Zeitungsflächen zeigten im Datensatz höhere Signaturen für Arsen und Blei, Fotodrucke für Kupfer und Magazinpapier für Nickel.
Aus den Gesamtgehalten berechnete das Team modellhafte Expositionen. Für Kinder ergaben sich dabei höhere Risikoschätzungen als für Erwachsene. Diese Zahlen sind kein gemessener Gesundheitseffekt und kein Nachweis, wie viel tatsächlich aus Papier in eine konkrete Portion übergeht. Ohne Migrationstests und chemische Speziation können sie das Risiko überschätzen; genau diese Unsicherheit nennen die Autoren selbst.
Warum Zeitung nicht dasselbe wie Lebensmittelpapier ist
Gewöhnliche Zeitungen, Buch- und Magazinseiten sind nicht dafür hergestellt, mit Essen in Berührung zu kommen. Druckfarben, Papierfasern und mögliche Recyclinganteile sind für einen anderen Zweck ausgewählt. Hitze, Feuchtigkeit, Fett, Kontaktzeit und die Art des Lebensmittels beeinflussen, ob und wie Stoffe übertragen werden.
Für Lebensmittelkontaktmaterialien gilt in der EU ein allgemeiner Sicherheitsrahmen: Sie dürfen Bestandteile nicht in Mengen abgeben, die die Gesundheit gefährden oder Lebensmittel unvertretbar verändern. Speziell hergestellte Bäckertüten oder Verpackungspapiere sind deshalb nicht pauschal mit beliebigem Druckpapier gleichzusetzen. Die neue Studie belegt keinen generellen Mangel aller Papierverpackungen.
Der praktische Verpackungscheck
- Heiße, feuchte oder fettige Speisen nicht direkt in Zeitungen, Zeitschriften, Buchseiten oder bedrucktes Büropapier legen.
- Nur Behälter und Papiere verwenden, die erkennbar für Lebensmittelkontakt und den vorgesehenen Temperaturbereich gedacht sind.
- Zu Hause Glas, Edelstahl oder geeignete Mehrwegboxen wählen; passende Gerichte finden sich über die Rezepte nach Mahlzeit.
- Trockene Vorräte in saubere Lebensmittelbehälter umfüllen und über die Rezepte nach Zutaten rechtzeitig verbrauchen.
Auch Lebensmittelpapier ist nicht automatisch problemloser
Papier kann beschichtet sein, damit Fett und Feuchtigkeit nicht durchdringen. Je nach Produkt kommen Wachse, Silikone, Kunststoffe oder andere Hilfsstoffe infrage. Druckfarben oder Bestandteile aus Recyclingfasern können ebenfalls relevant sein. Entscheidend sind Eignung, bestimmungsgemäße Verwendung und eine funktionierende Barriere, nicht die bloße Optik.
Wer Essen unterwegs kauft, muss eine sachgerecht eingesetzte Lebensmittelverpackung nicht vorsorglich entfernen. Auffällig ungeeignetes Material, direkten Kontakt zur bedruckten Seite oder starke Beschädigungen kann man beim Anbieter ansprechen. Für den Haushalt ist die einfache Regel belastbar: Zeitung bleibt Lesestoff, Lebensmittel kommen in dafür gemachte Materialien.
Fazit: klare Vorsicht, aber keine Alarmzahl
Die Studie liefert neue Daten zu gewöhnlichen Druckpapieren aus Dhaka und stützt den Rat, solche Papiere nicht als improvisierte Lebensmittelverpackung zu verwenden. Sie misst jedoch keine reale Migration in Speisen und erlaubt keine pauschale Aussage über jedes Papierprodukt. Der Alltagsnutzen liegt in der richtigen Materialwahl, nicht in einer aus den Modellwerten abgeleiteten Gesundheitsdiagnose.
Quellen
- Food Safety and Risk: Studie zu Spurenelementen in papierbasierten Lebensmittelverpackungen in Bangladesch, 24. Oktober 2026
- Europäische Kommission: Lebensmittelkontaktmaterialien und EU-Sicherheitsrahmen
- Bundesinstitut für Risikobewertung: gesundheitliche Bewertung von Druckfarben
- Verbraucherzentrale: Papier, Pappe und Karton mit Lebensmittelkontakt
Autor: Kochzauber Redaktion. Aktualisierung: 26. Oktober 2026. Die Studie erfasste Gesamtgehalte in Papier; ohne Migrations- und Speziationsdaten ist keine konkrete Aufnahme aus Lebensmitteln belegt.