Lebensmittelkennzeichnung und bewusster Einkauf

Nutri-Score, Nährwerttabelle oder Zutatenliste? Neue Studie zeigt, was Eltern nutzen

Eine neue deutsche Befragung vergleicht Nutri-Score, Nährwerttabelle und Zutatenliste. Was 978 Eltern angaben, welche Grenzen die Daten haben und wie sich die drei Angaben beim Einkauf sinnvoll ergänzen.

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Symbolbild: Drei neutrale Lebensmittelpackungen mit farbigem Buchstabenschema, Nährwerttabelle und Zutatenliste auf einem Küchentisch.
Symbolbild: Drei neutrale Lebensmittelpackungen mit farbigem Buchstabenschema, Nährwerttabelle und Zutatenliste auf einem Küchentisch.

Eine am 29. September 2026 veröffentlichte deutsche Querschnittsstudie vergleicht, wie Eltern Nutri-Score, Nährwerttabelle und Zutatenliste nach eigener Einschätzung verstehen und nutzen. Die 978 Befragten berichteten eine breite Verwendung aller drei Formate. Die Ergebnisse sprechen für einen kombinierten Blick auf die Verpackung, messen aber weder objektives Wissen noch tatsächliche Einkäufe.

Was die Studie untersucht hat

Teilnehmen konnten Erwachsene in Deutschland, die mit Kindern unter 18 Jahren lebten und mindestens 50 % der Lebensmitteleinkäufe ihres Haushalts verantworteten. Die Online-Befragung lief vom 20. Februar bis 4. März 2024. Quoten sollten Einkommen und Gemeindegröße von Familienhaushalten annähern; eine Zufallsstichprobe der gesamten Bevölkerung war es nicht.

84,8 % gaben an, den Nutri-Score zumindest ungefähr zu verstehen, 83,7 % die Nährwerttabelle und 80,5 % die Zutatenliste. 73,7 % schrieben sich ein Verständnis aller drei Formate zu. Entscheidend ist das Wort „subjektiv“: Die Forschenden prüften nicht mit Wissensfragen, ob jede Antwort sachlich richtig war.

Nutzung und Verständlichkeit sind nicht dasselbe

70,3 % berichteten, den Nutri-Score zu verwenden, 74,2 % die Nährwerttabelle und 70,6 % die Zutatenliste. 58,8 % nutzten nach eigener Aussage alle drei. Diese Angaben beschreiben Selbstauskünfte und keine beobachteten Warenkörbe.

Der Nutri-Score erhielt die besten Bewertungen für Sichtbarkeit mit 86,3 % und Gestaltungsklarheit mit 87,1 %. Gleichzeitig sagten 76,0 %, sie verstünden die Informationen der Nährwerttabelle. Ein schnell sichtbares Gesamturteil und detaillierte Mengenangaben erfüllen also unterschiedliche Aufgaben.

So lesen Sie die drei Ebenen zusammen

  • Nutri-Score: Vergleichen Sie ähnliche Produkte derselben Kategorie, statt daraus ein Gesamturteil über eine komplette Ernährung abzuleiten.
  • Nährwerttabelle: Prüfen Sie Werte je 100 g oder 100 ml und achten Sie bei Bedarf besonders auf Zucker, gesättigte Fettsäuren, Salz und Energie.
  • Zutatenliste: Lesen Sie, woraus das Produkt besteht; die Zutaten stehen grundsätzlich nach ihrem Gewichtsanteil in absteigender Reihenfolge.
  • Allergene: Verlassen Sie sich bei Allergien nicht auf Farbe oder Werbeaussagen, sondern auf die verpflichtende Allergenkennzeichnung und individuelle medizinische Hinweise.

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung legt die Pflichtangaben für vorverpackte Lebensmittel fest. Der Nutri-Score ist dagegen eine freiwillige Zusatzkennzeichnung. Keines der Formate ersetzt die anderen vollständig.

Was die Zutatenliste über Clean Label verrät – und was nicht

Eine kurze Zutatenliste kann für einen bestimmten Einkauf hilfreich sein, ist aber kein amtliches Gütesiegel. Begriffe wie „natürlich“, „ohne Zusatzstoffe“ oder „Clean Label“ beantworten nicht automatisch Fragen zu Nährwert, Allergenen, Verarbeitungsgrad oder Portionsgröße.

Schauen Sie deshalb auf konkrete Angaben statt auf die Länge allein: Welche Hauptzutaten stehen vorne, welche Allergene sind hervorgehoben und passt die Nährwerttabelle zum vorgesehenen Verwendungszweck? Ein Produkt kann wenige Zutaten und dennoch viel Salz oder Zucker enthalten; umgekehrt können mehrere Zutaten eine nachvollziehbare technologische Funktion haben.

Warum Informationsüberlastung wichtig ist

In der Studie hing eine stärkere empfundene Überlastung durch Ernährungsinformationen mit einer geringeren selbst berichteten Kenntnis aller drei Formate zusammen. Als häufigster Grund für die Nichtnutzung wurde mangelndes Interesse genannt; Zeitmangel war am seltensten.

Für den Alltag ist ein fester Ablauf nützlicher als der Versuch, jede Packung vollständig zu analysieren. Wählen Sie zuerst ein oder zwei relevante Kriterien, vergleichen Sie ähnliche Produkte und prüfen Sie bei Allergien oder besonderen Anforderungen die Pflichtangaben vollständig.

Die Grenzen der Ergebnisse

Die Befragung erfasste Eltern mit Einkaufsverantwortung und wurde online durchgeführt. Die Stichprobe enthielt überdurchschnittlich viele Personen mit hohem Bildungsniveau; nur 2,6 % hatten eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht unverändert auf alle Haushalte übertragen.

Weil die Erhebung 2024 stattfand, zeigt die Veröffentlichung von 2026 keine Veränderung innerhalb der letzten Wochen. Sie liefert einen neuen wissenschaftlichen Vergleich der drei Formate. Kausale Aussagen – etwa dass ein Etikett allein gesündere Käufe verursacht – sind aus dem Querschnittsdesign nicht möglich.

Fazit: erst vergleichen, dann ins Detail gehen

Die Studie zeigt, dass viele befragte Eltern mehrere Kennzeichnungsformate parallel nutzen. Praktisch bewährt sich ein Dreischritt: mit dem Nutri-Score ähnliche Produkte vorsortieren, die Nährwerttabelle für Mengen vergleichen und die Zutatenliste für Zusammensetzung und Allergene lesen. Passende Ideen für die anschließende Planung finden Sie in unseren Rezepten nach Zutaten und Rezepten nach Mahlzeit.

Quellen und Aktualisierung

Autor: Kochzauber Redaktion. Informations- und Aktualisierungsstand: 1. Oktober 2026. Die Einkaufshinweise sind redaktionelle Orientierung und keine individuelle Ernährungs- oder Allergieberatung. Das Titelbild ist ein redaktionelles Symbolbild.

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